Laktoseintoleranz

Was steckt hinter einer Laktoseintoleranz?

Der Klassiker unter den Lebensmittelunverträglichkeiten: Weil die Laktose aus der Nahrung mangels genug Laktase-Enzym nicht verdaut wird, landet sie im Dickdarm. Dort machen sich Bakterien über die Laktose her und vergären sie. Übrig bleiben vor allem Fettsäuren, Wasserstoff und Methan, die die typischen Symptome der Laktoseintoleranz auslösen: Blähungen und Bauchschmerzen entstehen durch die Gase. Die entstehenden Milch- und Fettsäuren “ziehen” Flüssigkeit in den Darm und sorgen dadurch für Durchfall. Das ist ärgerlich – aber von der Natur gewollt, denn so entledigt sich der Körper der unerwünschten Stoffe und warnt seinen Besitzer: Pass’ auf, iss’ das besser nicht noch mal!

Laktose heißt auch Milchzucker weil sie von Natur aus nur in Milch steckt. Laktose besteht aus Glukose und Galaktose. Glukose ist wichtigster Energielieferant des Körpers, Galaktose dient auch als Baumaterial. Laktose wird im Dünndarm durch das Enzym Laktase in Glukose und Galaktose aufgespalten, die über die Darmschleimhaut ins Blut gelangen. Das funktioniert reibungslos, solange der Dünndarm genug Laktase-Enzym herstellt. Andernfalls wandert die Laktose vom Dünndarm in den Dickdarm.

Vor allem diese drei: Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall. Aber auch chronisches Aufstoßen mit Luft, vermehrte Bauchgeräusche und Druckschmerzen im Unterbauch gehören dazu. Neben diesen sehr typischen Beschwerden einer Laktoseintoleranz treten häufig weitere unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, unreine Haut und Mangelerscheinungen auf.

Allerdings: Keine Laktoseintoleranz ist wie die andere. Der eine verträgt ein Glas Milch problemlos, der andere läuft nach dem ersten Schluck mit Bauchkrämpfen zur Toilette. Die meisten Betroffenen liegen irgendwo dazwischen.

Es fehlt das Enzym Laktase. Was viele nicht wissen: Laktoseintoleranz ist eher normal. Etwa 15 Prozent der Deutschen sollen betroffen sein. Weltweit sind es ca. 70 Prozent, in China und Südostasien sogar über 90 Prozent der Menschen. Unsere Ur-Ahnen konnten gar keine Laktose verarbeiten, denn Milch spielte als Nahrungsmittel damals kaum eine Rolle. Übrigens: Babys können Laktose recht gut verdauen. Ihr Dünndarm stellt genug Laktase her. Das muss auch so sein, den Muttermilch enthält mehr Laktose als Kuhmilch. Nach und nach nimmt die Laktase-Menge aber ab. Irgendwann ist sie so gering, dass die ersten Beschwerden auftreten. Laktoseintoleranz kann auch in Folge einer schweren Magen-Darm-Grippe, einer entzündlichen Darmerkrankung oder einer Darmoperation auftreten. Auch eine Glutenunverträglichkeit tritt relativ oft zusammen mit einer Laktoseintoleranz auf. Die gute Nachricht: Diese Formen der Laktoseintoleranz verschwinden oft wieder, sobald sich der Darm erholt hat.

Durch den Hausarzt oder Internisten. Der stellt dir Fragen, untersucht dich, und lässt dich vielleicht ein Ernährungstagebuch führen. Weil es viele Erkrankungen und auch andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt, die ähnliche Beschwerden verursachen, kommen oft noch Labortests dazu. Vielleicht musst du vorübergehen eine laktosearme Diät machen. Bessern sich die Beschwerden, ist eine Laktoseintoleranz sehr wahrscheinlich. Endgültige Sicherheit liefert aber nur Laktoseintoleranz-Tests. Am häufigsten wird der H2-Atemtest durchgeführt. Dieser misst die Menge an Wasserstoff, die durch den Abbau von Laktose im Dickdarm entsteht und abgeatmet wird.

Gibt es einen Laktoseintoleranz Selbsttest?

Ja, es gibt sogar mehrere – der einfachste geht so: Wenn du ein bestimmtes Lebensmittel für den Verursacher deiner Beschwerden hältst, verzichtest du eine Zeit lang darauf und beobachtest, was passiert. Du kannst dich beispielsweise probeweise glutenfrei oder laktosefrei ernähren – verschwinden deine Beschwerden daraufhin, weißt du, was die Ursache war und kannst dich danach richten. Falls du dir unsicher bist, solltest du natürlich trotzdem einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen deiner Beschwerden eindeutig abklären zu lassen.

Messer, Gabel, Löffel und Finger von allem lassen, was Laktose enthält: Möglicherweise verträgst du aber eine gewisse Menge an Laktose. Am besten einfach vorsichtig ausprobieren. Und sonst? Wenn du trotz Laktoseintoleranz Lust auf Eis, Joghurt oder Schokolade hast, kannst du eine Laktase-Tablette oder -Kapsel kurz vor oder während des Essens einnehmen. Die Tabletten liefern deinem Körper die Laktase, die er selbst nicht herstellen kann. Da die Präparate meist relativ teuer sind, eignen sie sich nicht für eine Dauertherapie.

Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine Laktoseintoleranz durch eine laktosefreie (max. 1 g Laktose/Tag) oder laktosearme Ernährung (8-10 g Laktose/Tag) behandelt werden. Die durchschnittliche Aufnahme eines Erwachsenen liegt bei 20-30 g Laktose am Tag, überwiegend durch Milch- und Milchprodukte.

Vorsicht bei Fertigprodukten! Viele Lebensmittel enthalten Laktose, obwohl man es nicht vermutet. Als gängiger Zusatzstoff wird Milchzucker vielen Fertigprodukten wie Tütensuppen, Tiefkühlpizza, und Wurst beigemischt. Die Hersteller benutzen Milchzucker gerne als Füllmittel und um Lebensmitteln einen volleren Geschmack zu geben. Schau auf die Etiketten: Es gibt eine Deklarationsvorschrift für Lebensmittel, die in der ganzen EU gilt.

Gesäuerte, fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir oder gereifter Käse werden in geringen Mengen meist vertragen, da die Laktose während des Reifungsprozesses zusätzlich abgebaut wird.

 

Bei nu3 findest du viele Produkte für eine laktosefreie Ernährung:

Geeignete Milchalternativen sind zum Beispiel:

  • Sojamilch, Mandelmilch, Hafermilch, Reisdrink
  • Laktosefreie Milch; sie schmeckt etwas süßer, weil der Zucker bereits in seine Bestandteile zerlegt ist

Bleib entspannt: Laktoseintoleranz ist keine Krankheit. Nimm aber Rücksicht darauf, dass dein Körper Milchzucker nicht gut verträgt. Mit einer milchzuckerarmen Ernährung hast du wahrscheinlich keine Beschwerden mehr. Aufpassen musst du hier: Hast du Beschwerden, obwohl du kein einziges Milchzucker-Molekül mehr in deinen Körper lässt, kann eine andere Ursache dahinterstecken – zum Beispiel ein Reizdarm. Oder aber eine Milcheiweißallergie . Der Arzt kann das klären.

Du kannst auch das versuchen: Iss für eine Weile nur Lebensmittel, von denen du glaubst, dass du sie gut verträgst. Führe in dieser Zeit ein Tagebuch, in dem du notierst, was dir Beschwerden verursacht hat und wann. Gehe mit deinen Notizen zu einer Ernährungsberatung – viele Krankenkassen bieten Ernährungsberatungen kostenfrei an.