Niacin

Alternative Bezeichnungen: Nicotinsäure, Nicotinsäureamid, Vitamin B3

Was ist Niacin?

Niacin, früher unter der heute nicht mehr so geläufigen Bezeichnung Vitamin B3 bekannt, gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen des B-Komplexes. Dabei steht Niacin als Sammelbegriff für Nikotinsäure, Nikotinsäureamid (Nikotinamid) und deren aktiven Coenzymfaktoren. Niacin kann aus der Aminosäure Tryptophan synthetisiert, aber nur in relativ geringen Mengen in der Muskulatur und in der Leber gespeichert werden.

Wirkung und Funktion von Niacin

Niacin hat als Strukturkomponente von Pyridinnucleotid-Coenzymen, Nikotinamid-Adenin-Dinucleotid (NAD) sowie NAD-Phosphat (NADP) zahlreiche Funktionen im Organismus.

  • So trägt Niacin zu einem normalen Energiestoffwechsel bei,
  • leistet einen Beitrag zu einem normalen Funktionieren des Nervensystems
  • sowie zur normalen psychischen Funktion.
  • Darüber hinaus spielt Niacin bei der Erhaltung normaler Schleimhäute und normaler Haut eine Rolle
  • und auch zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung trägt Niacin bei.

Wegen dieser vielfältigen Funktionen ist eine ausreichende Zufuhr von Niacin über die Ernährung wichtig. Aber wie hoch ist der individuelle Niacinbedarf?

Niacinbedarf

Der Niacinbedarf ist von verschiedenen Faktoren abhängig. So sollten bei einer Energiezufuhr unter 2.000 Kilokalorien mindestens 13 Milligramm Niacin-Äquivalente (NÄ) und für eine Zufuhr ab 2.000 Kilokalorien 6,6 Milligramm NÄ/1000 kcal aufgenommen werden. Die Proteinzufuhr und Aminosäurezusammensetzung der Nahrung sind entscheidend für die Aufnahme von Tryptophan, das in der Leber zu Niacin umgewandelt wird.

Die nachfolgende Tabelle stellt die Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Niacin-Äquivalente dar. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der individuelle Niacinbedarf in bestimmten Lebensphasen erhöht sein kann und die Zufuhr angepasst werden sollte. So ist der Bedarf vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die sich noch im Wachstum befinden, sowie in der Schwangerschaft und in der Stillzeit erhöht. Aber auch bei metabolischem Stress, schwerer körperlicher Arbeit und einer Schilddrüsenüberfunktion ist der Niacinbedarf oftmals erhöht.


Lebensabschnitt

Zufuhrempfehlungen (mg/d)

 

m

w

0 bis 4 Monate

2

2

4 bis 12 Monate

5

5

1 bis 4 Jahre

8

8

4 bis 7 Jahre

9

9

7 bis 10 Jahre

11

10

10 bis 13 Jahre

13

11

13 bis 15 Jahre

15

13

15 bis 19 Jahre

17

13

19 bis 25 Jahre

16

13

25 bis 51 Jahre

15

12

51 bis 65 Jahre

15

11

über 65 Jahre

14

11

Schwangere

ab dem 4. Monat

 

14

Stillende

 

16


Niacin in Nahrungsmitteln

Da Fleisch viel Niacin und Tryptophan enthält, ist es die beste Quelle für Niacin-Äquivalente. In Getreide und Mais ist Niacin als Niacytin an Proteine und Kohlenhydrate gebunden und deshalb für den menschlichen Organismus nicht verwertbar. Zwar ist Niacin im Gegensatz zu anderen B-Vitaminen relativ hitzeunempfindlich. Dafür kann es beim Kochen in Wasser jedoch in hohen Mengen ausgeschwemmt werden und auf diese Weise für die Ernährung verloren gehen. Hohe Anteile an Niacin-Äquivalenten sind vor allem in Sardellen (gesalzen: 23,5 mg/100 g; gegart: 11,8 mg/100 g), gegarter Schweineleber (20,5 mg/100 g), Erdnüssen (19,9 mg/100 g) und gegartem Puten-/Truthahnfleisch (14,9 mg/100 g) enthalten.

Niacinmangel und -supplementierung

Bei einer unzureichenden Niacinzufuhr können bereits nach zwei bis vier Wochen erste Mangelerscheinungen auftreten. Neben einer einseitigen Ernährung kann aber auch eine Reihe von Medikamenten zu einer Unterversorgung mit Niacin führen. Dazu gehören Tuberkulostatika (Isoniazid), Analgetika/ Antirheumatika, Psychopharmaka (Diazepam), Antiepileptika, Immunsuppressiva und Zytostatika. Dysbalancen anderer B-Vitamine (B2, B6) oder bestimmte Mineralstoffe (wie Kupfer, Eisen, Magnesium) begünstigen ebenfalls einen Niacinmangel, da sie die Umwandlung von Tryptophan in Niacin beeinflussen. Darüber hinaus kann ein Niacinmangel zum Beispiel auch durch erhöhten Alkoholkonsum hervorgerufen werden sowie durch Krankheiten, die den Proteinabbau im Körper anregen.

Klinisch manifestiert sich ein Niacinmangel mit der Pellagra-Krankheit, deren Symptome Dermatitis (an Stellen, die der Sonnenstrahlung ausgesetzt waren), Diarrhoe, Demenz, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit sein können. Ob die genannten Symptome durch einen Niacinmangel oder durch eine andere Ursache bedingt sind, sollte jedoch in jedem Fall durch den Arzt geklärt werden.

Je nach Schwere des Mangels werden bei einer Therapie 50 bis 500 Milligramm Niacin pro Tag verabreicht und gleichzeitig eine Vitamin-B-reiche Ernährung verordnet, da ein isolierter Niacinmangel nur selten auftritt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, eine Tagesdosis von zehn Milligramm Nikotinsäure bzw. 900 Milligramm Nikotinamid nicht zu überschreiten, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Außerdem wird empfohlen, auf die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Nicotinsäure zu verzichten und stattdessen Nikotinamide zu sich zu nehmen. Als Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel und mit dem Nährstoff angereicherte Lebensmittel gibt das BfR eine Tagesdosis von 17 Milligramm Niacin-Äquivalenten an.


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